Interview mit einem Profi: 9 Fragen von Upgrade bis Tomatensaft an eine Stewardess

Über-den-Wolken-klein

Ein Traumjob für Viele: Hoch über den Wolken arbeiten und bezahlt die schönsten Orte der Welt besuchen. Ich habe Delia, einer Flugbegleiterin einer großen, deutschen Airline, in einem Interview ein paar spannende Fragen gestellt. Wie bekomme ich z.B. ein Upgrade in die Business Class? Wie sieht der Arbeitstag aus? Musstet ihr schon notlanden? Wird wirklich so viel Tomatensaft getrunken, wie alle sagen? Werfen wir einen Blick hinter die Kulissen! Delia ist seit über 10 Jahren Stewardess und bloggt auf Delia Wings über ihr Jetset-Leben.

1. Habt ihr immer mehr Tomaten- als Orangensaft an Bord?

Lustige Frage! Es stimmt schon, dass die Gäste im Flugzeug öfter mal ein Glas Tomatensaft bestellen, aber wir haben definitiv immer mehr Orangensaft dabei. Ich würde schätzen, dass auf 10 Liter O-Saft 2 Liter Tomatensaft kommen.

Übrigens trinken die Gäste an Bord gerne Tomatensaft, weil die dünnere Luft die Geschmacksnerven etwas desensibilisiert und man eher Lust auf etwas „Würziges“ bekommt.

2. Wie bekomme ich ein Upgrade in die Business Class?

Der einfachste Weg in die Business Class ist der Kauf eines Business Tickets. 😉 Denn die Chancen für ein Upgrade sind nicht allzu hoch. Bei meiner Airline ist es so, dass wir Flugbegleiter keine Upgrades vergeben dürfen – sondern nur das Bodenpersonal am Check-In.

Falls die Economy-Class überbucht sein sollte, hat man eine kleine Chance auf ein Upgrade, wenn man spät eincheckt und auch etwas schicker angezogen ist. Zuerst werden allerdings die Statuskunden (Vielflieger) in eine bessere Klasse gesetzt, bevor ein „normaler“ Fluggast dieses Glück erfährt.

Stewardess mit Halstuch
Foto: Delia Wings

3. Was ist das Schlimmste, was während eines Fluges passiert ist? Musstet ihr schon mal notlanden?

Das ist eine der typischsten Fragen, die mir gestellt werden, wenn jemand erfährt, dass ich Flugbegleiterin bin. 😉 Jedoch muss ich immer wieder enttäuschen. Ich habe in 10 Jahren nicht eine einzige kritische Situation gehabt – und auch niemand sonst, den ich in der Fliegerei kenne. Das Fliegen gefährlich ist, hält sich wie ein hartnäckiger Mythos. Das zeigt sich auch an den vielen Menschen, die von Flugangst betroffen sind. Ich selbst bin mittlerweile Flugangst Coach und veröffentliche auch bald ein Buch gegen Flugangst. Wer Interesse an einem einstündigen, telefonischen Flugangst Coaching mit mir hat, kann sich gern an mich wenden.

4. Gibt es Vorschriften zu Styling und Make-up von der Airline?

Ja, die gibt es. In unserem Flugbegleiter Grundkurs bekommen wir sogar einen halben Tag Tipps und Tricks für Make-up und Haare, wie man die Halstücher schön bindet und wie die Nägel gepflegt aussehen. Ob das bei jeder Airline so ist, weiß ich nicht, aber ich gehe stark davon aus, dass es überall eine Art „Uniformtrageordnung“ gibt.

5. Habt ihr an den Traumzielen der Welt Zeit diese zu erkunden oder geht es am nächsten Tag direkt wieder weiter?

Es kommt ganz darauf an. Auf der Kurzstrecke innerhalb Europas haben wir oft nur 12 Stunden Ruhezeit, bis es am nächsten Tag wieder los geht. Manchmal hat man allerdings Glück und man hat einen kompletten Tag irgendwo frei. (Pandemie-Zustände sind natürlich ein ganz anderes Thema.)

Auf der Langstrecke kommt es auf die Anzahl der Flugstunden an. An der Ostküste von den USA haben wir nur 24 Stunden, was aber zum Essen gehen, schlafen und shoppen reicht. An der Westküste in L.A., San Francisco und Co haben wir dann 2 Tage zur Verfügung.

In Singapur haben wir nach einem 12 Stunden Flug sogar 2,5 Tage frei bevor es zurück geht.

6. Welche merkwürdigen Angewohnheiten von Gästen sind dir in Erinnerung geblieben? 

Was ich auf wirklich jedem Langstreckenflug beobachten kann, ist, dass viele Fluggäste extreme Probleme mit der Bedienung der Toilettentüren haben. 😉 Sie stehen davor, ziehen und drücken an jedem Schildchen, öffnen und schließen den Aschenbecher und werden dann von mir erlöst, in dem ich ihnen die Falttür einfach durch Drücken in der Türmitte öffne. Nix für ungut: Viele Menschen fliegen selten und wissen es einfach nicht besser – lustig sieht es trotzdem aus.

Komisch ist auch, dass alle Fluggäste nach dem Parken des Flugzeugs am Zielort sofort aufspringen, ihre Sachen aus den Handgepäcksfächern holen und dann ewig im Gang miteinander kuscheln. Dabei dauert der Aussteigevorgang auf Kurzstrecken bei voller Hütte mindestens 10 Minuten und auf Langstrecken bis zu einer halben Stunde.

Mein Tipp: Sitzt man weiter hinten, sollte man einfach so lange sitzen bleiben, bis Bewegung in der Menschenschlange zu erkennen ist.

Flüge, die eher mit Touristen gefüllt sind als mit Geschäftsreisenden, sind immer die kuriosesten. Irgendwie scheinen viele Fluggäste zu glauben, dass sie nicht aufstehen dürfen. So landet auch gerne mal eine gefüllte Babywindel in meiner Hand, die aber auch sehr gerne von den Eltern selbst in die Mülleimer der Bordtoiletten geschmissen werden dürfen. 😉

Ich habe allerdings für die meisten Sachen viel Verständnis, denn die „Flugetikette“ ist mir vor meinem Flugbegleiter-Leben natürlich auch nicht bewusst gewesen.

Ich liebe meinen Job und freue mich immer über meine Gäste 🙂

7. Welcher Flughafen ist dein Lieblingsflughafen, weil er z.B. sehr praktisch ist oder toll gelegen?

Da ich in Berlin wohne, habe ich den TXL (Berlin-Tegel) Flughafen sehr geliebt, aber dieser wurde vor Kurzem leider geschlossen. Er war klein, übersichtlich und alles ging immer ziemlich schnell.

Weltweit ist für mich der SIN (Changi Airport) in Singapur der coolste.

Flugzeug Bildschirm

8. Welche Tipps hast du für einen Langstreckenflug? Wie überlege ich auf dem Mittelplatz in der Gangreihe

Ich habe auf meinem Blog schon viel über Tipps beim Fliegen geschrieben. Hier ein paar kurze Dinge, an die man bei einem Langstreckenflug immer denken sollte:

Check dich so früh es geht (online) ein, gerade damit du nicht auf einem Mittelsitz landest und zwischen zwei anderen Fluggästen „eingeklemmt“ bist.

Nimm dir eine leere Wasserflasche mit durch die Sicherheitskontrolle und fülle sie dir am Wasserspender im Sicherheitsbereich auf. So bist du verschont von den teuren Preisen am Flughafen und musst im Flugzeug nicht erst auf den Service warten.

Das Gleiche gilt auch für Snacks. Nimm deine eigenen Snacks mit ins Handgepäck, solange sie nicht flüssig oder breiig sind. Obst und Nüsse habe ich privat auch immer auf der Langstrecke dabei. (Achtung: Was du im Flugzeug nicht aufgegessen hast, solltest du an Bord zurücklassen, da es viele Länder gibt, in die man kein Obst oder Ähnliches einführen darf. In den USA mit einem Apfel einzureisen kann 500 Dollar Strafe kosten!)

Zieh dir sehr bequeme Kleidung an, da man auf Langstreckenflügen durch den Druckunterschied in der Kabine ein wenig aufbläht. Ich habe auch immer warme Kuschelsocken dabei und einen Hoody-Pullover, denn die Klimaanlage kann ganz schön am Kopf ziehen.

Falls es dich doch trifft und du auf einem Mittelplatz gelandet bist, solltest du öfter mal aufstehen und etwas laufen oder dich dehnen. Das betrifft auch die Fensterplätze und die am Gang, da man an Bord ein erhöhtes Thromboserisiko hat.

Ist der Service vorbei könntest du auch ein nettes Gespräch mit der Crew in der Bordküche führen, die vielleicht den ein oder anderen Geheimtipp für dein Endziel haben.

9. Wie sieht eine „normale“ Arbeitswoche als Flugbegleiterin aus?

Eine typische “Woche” gibt es bei mir nicht. Die Flugpläne werden immer für den ganzen Monat geschrieben und wenn man Glück hat, fliegt man selbst in Vollzeit nur 3 Langstrecken im Monat.  Diese dauern zwischen 3 und 5 Tagen. So kann es auch mal sein, dass man eine Woche lang zu Hause ist. 

Auf der Kurzstrecke gibt es Tagestouren und Touren, die bis zu 5 Tage lang gehen. Innerhalb dieser 5 Tage fliege ich von Frankfurt nach Rom, Paris, Oslo etc., wieder zurück nach Frankfurt und wieder woanders hin. Meist hat man 3 bis 5 Flüge am Tag auf der Kurzstrecke.

Ich bin mittweile Mutter und fliege nur eine kleine Teilzeit. So bin ich mehr zu Hause als andere Menschen, die jeden Tag zur Arbeit gehen müssen.

Danke für das Interview, Delia!

Delia ist seit über 10 Jahren Flugbegleiterin bei einer großen, deutschen Airline und hat dadurch viele Insider-Tipps parat. Zusätzlich arbeitet sie als Flugangst-Coach. Demnächst erscheint auch ihr erstes Buch gegen Flugangst.

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